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Chronik

Chronik der Blattert - Mühle

Es läßt sich nicht auf das Jahr genau festlegen, wann die Blattert'sche Müllerei begann, doch trifft die Jahr von 1820 am wahrscheinlichsten den Beginn der familiär verwurzelten Handwerkstradition.
Als Jakob Schmidt in Wellendingen Müller und Vogt (Bürgermeister 1794-1812) war, lebte Paul Blattert, verheiratet mit Agathe , geb Eichkorn, als Tauner (Tagelöhner) im Ort. Im sind keine Verbindungen zur Mühle oder dem Handwerk nachzuweisen. Sein Sohn Josef, der 1821Johanna Mayer heiratete, war von Beruf Müller. Es ist anzunehmen, daß er direkter Nachfolger von Jakob Schmidt war und die Wellendinger Mühle durch Kauf erwarb. Johanna gebahr am 2.5.1823 ihren Sohn Johann.
Johann Blattert führte die Mühle des Vaters weiter und ist in der Bonndorfer Chronik von 1856 bis 1877 als Wellendinger Bürgermeister vermerkt. Während seiner Zeit als Bürgermeister kamen seine Söhne Mathä und Alexander zur Welt. Beide lernten den Müllerberuf, Mathä um die Nachfolge seines Vaters anzutreten und Alexander als Grundlage einer lebenslangen Wanderschaft.

Alexander Blattert - dä Mühlexander

Ein Luftikus, der seiner Mutter auf dem Sterbebett versprochen haben soll, Jungeselle zu bleiben, "damit keine mit ihm angeschmiert ist" und von dem die Alten in Wellendingen heute noch manche Geschichte schmunzelnd erzählen.
Der Müllerbursche liebte es, in verschiedenen Rollen aufzutreten, als Amtmann, als Pfarrer oder als Lehrer beispielsweise.
Vor dem ersten Weltkrieg wütete in Oberwangen einmal ein Großbrand. Mit Gehrock, Zylinder und Zwicker erschien an der Brandstelle der "Amtmann von Bonndorf" zur Inspektion. Laut erteilte er Anweisungen, bis herbeigeeilte Bettmaringer ihn erkannten und fragten: "Ja, Mühlexander, bisch au do?" - worauf er schnell verduftete und den brenzligen Platz dem eintreffenden richtigen Amtmann überließ.
Während Alexander in der Schattenmühle arbeitete, war in Rötenbach Lehrerwechsel. Der Meister der Schattenmühle erfuhr, daß sich die Ankunft des Neuen um einen Tag verzögerte. In heiterer Laune befreite er Alexander von der Arbeit, der wenige Zeit später in seiner repräsentativen Kleidung und einer Kutsche in Rötenbach erschien. Der Kirchenchor sang, Bürgermeister, Pfarrer und Gemeinderat hielten feierliche Reden und man feierte im Gasthaus. Am nächsten Morgen wartete eine neugirige Schülerschar vergebens; der neue Lehrer war verschwunden.
Im Alter arbeitete er auf einem Hof im Dürrenbühl. Er war natürlich kein Schweinehüter, sondern "Schweinerat".Der Grundsatz des Müllerburschen im Gehrock, mit Zylinder und Kneifer war: "Immer noblesse".

Mathä Blattert

Der Bruder von Alexander blieb seßhaft und führte die Mühle seines Vaters Johann weiter.
Das Gebäude und die Technik mit den zwei, aus dem Weiher gespeisten Wasserrädern war sehr alt und mußte ständig repariert werden. Ein Zimmergeselle, der beim "Gipser" neben dem Friedhof wohnte, wurde von Mathä ständig in die Mühle gerufen, um schadhafte Teile zu erneuern. Als die Mühle dann abbrannte, wurde gemunkelt, der Handwerksbursche habe sie angezündet, weil er die Arbeit an der alten Einrichtung leid war.
Nach mündlichen Überlieferungen ist die Mühle ein Jahr nach Friedrich Blattert`s Geburt, nämlich 1902 abgebrannt. Es irritiert hier allerdings der Beleg nach welchem Mathä 1899 die Mühle in Brunnadern gekauft haben soll, in welcher er nach dem Brand mit seiner Familie wohnte und arbeitete. Das Brunnaderner Mahlwerk war technisch keine Verbesserung im Vergleich zum verglimmten Wellendinger. Dennoch war der Familie und vor allem dem heranwachsenden Friedrich (geb. 17. Juli 1901) die Müllerei noch nicht leid.

Friedrich Blattert

An die achtjährige Volksschulzeit in Brunnadern, schloß Friedrich Blattert eine zweijährige Fortbildungsschule, ebenfalls in Brunnadern, an. Seine Lehrzeit begann er 1918 in Wiznau/ Schlüchttal. Der wohlhabende Müller Hilpert beschäftigte neben seinen Müllerburschen auch Dienstmägde. Eine davon war Theresia Mink aus Ippingen, Friedrichs spätere Frau. Wieviele Jahre Friedrich in Wiznau arbeitete und wo ihn seine Gesellenzeit bis 1925 überall hinführte ist leider in Vergessenheit geraten. Wahrscheinlich hat er für einige Zeit in einer Mühle in Eigeldingen gearbeitet.
1925 zieht Friedrich nach Unterbaldingen, wo er 1927 Theresia Mink heiratet und wo am 12.5.28 seine Tochter Hedwig bzw. am 10.6.30 sein Sohn Fritz zur Welt kommen. Während Friedrich mit seiner Familie in Unterbaldingen wohnt, arbeitet er in der Mühle Strohm in Büsingen. Um sein eigener Herr zu sein, wie es seine Vorfahren waren, plant Friedrich einen Neubau in Wellendingen. Damit der alte Vater Mathä den Bauplatz seinem Sohn vermacht, muß dieser, gemeinsam mit seinem Schwager Konrad Mink aus Ippingen, zweimal den langen Weg nach Brunnadern mit dem Fahrrad fahren, um darum zu bitten. Der störrische Vater genehmigt letztendlich einen Bau an der Halde oberhalb der abgebrannten Mühle, auf welchen Grundmauern eine Heuhütte stand.
1932 kann der Bau beginnen. Der Schwager Konrad zieht mit der Familie von Theresia und Friedrich zur Verwandschaft (August Dietsche) nach Wellendingen um beim Bau als Schreiner mitzuhelfen. Als 1933 die Mühle fertiggestellt ist, ist in dem kleinen Gebäude eine moderne Rückschüttelmühle untergebracht. Geschrotet wurde auf einem 500er Schrotstuhl (Wasseralfingen) und die Ausmahlung war auf einem Fanal-Stuhl. Anstatt den üblichen Sechskantsieben wurde schon mit einem kleinen Plansichter das Mahlgut getrennt.
Es fand eine reine Kundenmüllerei statt, bei der es üblich war, daß das Getreide beim Bauern abgeholt wurde und das fertige Mehl wieder dorthin zurückgebracht wurde.
Das Wasserrecht wurde Friedrich am 17. Juli 1933 von der Stadt Bonndorf wiederverliehen. Das Wasser aus dem Weiher diente auch zur Wässerung des Feldes rund um die Mühle und wurde durch ein Fallrohr auf zwei Franzisturbinen geführt.
Im noch unzulänglich eingerichteten Wohnhaus kommt am 16.3.35 die Tochter Erika zur Welt. Der Säugling soll nach der Geburt blaugefrohren gewesen sein. An das Mühlengebäude wird 1937 eine Wiederkehre mit Getreideschüttböden angebaut. Daran angeschloßen wird 1939 eine Scheune mit Stall. Zur Betreibung der Landwirtschaft erbt Friedrich einen Acker seines Vaters und kauft eine Wiese im Gewann Wiehler hinzu.
Theresia gebiehrt am 1. Januar 41 ihren jüngsten Sohn Hubert. Zum Ende des Krieges wird einem Mühlenbauer aus Tuttlingen Unterschlupf in der Mühle gewährt, mit dessen Hilfe anstelle der Schüttböden Getreidesilos eingebaut werden.
1945 beginnt Fritz Blattert seine Lehre als Müller.
1946 wird das bestehende Gebäude - Wohnhaus, Mahlraum, Wiederkehre - auf heutige Höhe aufgestockt. Mit der Firma Mühlenbau Handke aus Tuttlingen wird die Mühleneinrichtung erneuert bzw. die Leistung erhöht. Unter Wegfall der Fanal wird das Mahlwerk mit zwei doppelten Walzenstühlen aus Wasseralfingen ergänzt.
Während der Umbauarbeiten war es notwendig, zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone Handel zu treiben. Es wäre nicht erlaubt gewesen, die Walzenstühle aus der amerikanischen Zone auszuführen, ohne den Wert mit Stahlwellen zu kompensieren. Da das Passieren der Zonengrenze nur schwer möglich war, nahm Friedrich zur Fahrt nach Wasseralfingen einen ehemaligen KZ-Häftling mit, dem freie Reise gewährt wurde.
Kurz vor der Währungsreform waren die Baumaßnahmen mit den Gipserarbeiten abgeschlossen. Als das Baugerüßt vom Haus genommen wurde, verfielen die Schulden durch die Währungsreform.
Fritz Blattert schloß seine Lehre 1948 mit der Gesellenprüfung in Hüfingen, Mühle Kern, ab. Die gestellten Arbeiten waren ein Mühlstein behauen und einen Walzenstuhl mit dazugehöriger Grießputzmaschine einstellen. Zur besseren Ausnützung der Wasserkraft wurde 1954 eine Ossberger Turbine eingebaut.
1955 beginnt Hubert die Lehre als Müller, wird von seinem Vater aber hauptsächlich auf der Landwirtschaft beschäftigt.

Fritz Blattert

Fritz legt am 11.4.56 seine Meisterprüfung in Freiburg ab.
1962 wird der Hausgarten neben der Mühle von der neugebauten Umgehungsstraße durchschnitten. Mit der finanziellen Entschädigung werden zwei Außensilos aus Beton gebaut.
1966 wird auf voller Höhe ein Anbau an das Mühlengebäude gemacht, in dem eine Getreideannahme mit einem Eirich - Aspirateur untergebracht wird.
1967 werden in diesen Anbau Holzsilos zur Getreidelagerung eingebaut.
1968 wird durch die Firma Brobeil die Mühle zu einem automatischen Mahlsystem mit Pneumatikförderung umgebaut.
Um dem Wandel im Getreideanbau durch das Aufkommen der Mähdrescher Rechnung zu tragen wird Anfang der siebziger Jahre eine Getreidegosse zur Loseannahme gebaut. Ein Karner - Aspirateur ergänzt die neue Anlage zur Getreidannahme. Nun beginnt die Zeit in der größere Mengen Getreide angeliefert werden und vor allem mit Braugerste durch Kontaktabschlüsse gehandelt wird.
Die eigene Landwirtschaft wird jetzt an den Nagel gehängt.
1972 errichtet Hubert Blattert ein Wohnhaus neben der Mühle und heiratet Elisabeth.
Am 20.6.1974 stirbt Theresia und am 3.8.77 folgt ihr Friedrich in die ewige Ruhe.

1980 steigt Hubert als Kraftfahrer in das Geschäft des Bruders mit ein. Im selben Jahr wird ein Rundsilo in die Scheune eingebaut. Der schadhafte Dachstuhl wird am gesamten Gebäude ausgebessert und mit einer Schalung versehen. Um den Bäckereien das Mehl lose liefern zu können wird ein Mehltank und ein neuer Mercedes - LKW angeschafft.
1984 beginnt Fritz ein Wohnhaus neben der Mühle zu errichtern.
1989 wird ein Goldsaat-Trockner eingebaut um den Anforderungen einer nassen Ernte gewachsen zu sein. Gegen Ende der Realschulzeit entscheidet sich Huberts Sohn Daniel eine Lehre als Müller anzutreten. Am 5.8.91 beginnt er bei Thomas Birlin in Rheinfelden - Degerfelden seine Ausbildung.
1993 werden, nachdem zuvor die Annahmeleistung mit einem Happle - Aspirateur erhöht worden ist, zwei Rundsilos von der Firma Brobeil errichtet. Ein Verladeelevator verkürzt die Befüllzeit der LKW's, welche während der Ernte das Getreide abholen auf ca. 30 Minuten.
In der Hoppenlauschule in Stuttgart legt Daniel im Mai 94 die praktische Gesellenprüfung ab. Geprüft wird an der Getreideannahme, an der Mahlanlage, im Mischfutterwerk und im Labor. Vom 1.7.94 bis Ende März 95 arbeitet er als Schichtmüller in der Klingentalmühle, Kaiseraugst (Schweiz) in der Abteilung Hafermühle.
1995 wird in der Mühle ein elektischer Aufzug eingebaut. Zuvor werden vom Gesetzgeber die mechanischen Mühlenaufzüge verboten. Als der neue Aufzug bestellt war, wurde der Gesetzentwurf ärgerlicherweise zurückgezogen.

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